Eine Welt

„Derselbe Sturm, nicht das gleiche Boot“

(Eine Reflexion über die Erfahrung der Coronavirus-Pandemie auf den Philippinen)

Unter diesem Titel haben uns unsere Projektpartnerinnen Gloria Pocot und Rhodelia Viajedor, aus Naga auf der Insel Cebu (Philippinen) einen Bericht zukommen lassen, über die verschiedenen Erfahrungen der Menschen mit der Corona Pandemie in ihrem Land:

Die Menschen stellten sich auf die kommende Pandemie ein mit unterschiedlichen Möglichkeiten, die Situation zu meistern. Sie sitzen nicht alle im gleichen Boot, so die Erfahrungen unserer Projektpartnerinnen. Am schlimmsten traf es Tagelöhner, die keine Rücklagen hatten, die ohnehin am unteren Ende der Armutsskala lebten. Sie hatten durch den Lockdown von heute auf morgen nichts mehr, um sich und ihre Familien zu ernähren. Die minimale finanzielle Hilfe des Staates erreichte oft nicht gerade die ärmsten der Armen. Ebenso verloren Kleinstunternehmer wie die Jeepney-Fahrer ihre Existenz. Viele Philippinas und Philippinos arbeiten als Fremdarbeiter(innen) im Ausland und verloren dort ihre Arbeit und mussten zurück. Manche hielten die Situation nicht aus und nahmen sich das Leben.

Die kleine Mittelschicht und die Reichen im Landen haben Rücklagen. Ihnen gelingt es sich zu ernähren und einigermaßen durch diese Pandemie zu kommen.

Die Zahl der Erkrankten stieg täglich dramatisch. Krankenhäuser konnten nicht alle aufnehmen. Und die Toten konnten nicht beerdigt werden. Die Krematorien kamen mit den notwendigen Einäscherungen nicht nach. Kinder starben in den Krankenhäusern ohne Beistand der Eltern. Rhodelia berichtete von einem 8 Monate alten Baby, das ohne ihre Eltern sterben musste. Die Gesundheitsbehörden der Stadt und des Landes hatten jedes Gesuch auf Besuchsrecht abgelehnt.

Es gibt die Gruppe der sogenannten Frontliner, das sind Ärzte Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Mitarbeiter der Regierung auf allen Ebenen, Polizistinnen und Polizisten. Sie sind besonders gefährdet und haben eine hohe Todesrate. Sie fehlen dann in der Bekämpfung und Eindämmung der Corona – Pandemie.

Viele Kranke und Behinderte, stehen teils völlig ohne Hilfe und Betreuung da, da auch Angehörige wegen des strikten Lockdowns nicht zu ihnen dürfen.

Die Nahrungsmittelversorgung bricht zusammen, da es auch kein funktionierendes Transportwesen mehr gibt. Die Farmer werden ihre Früchte nicht los und die Leute warten vergebens auf Nahrung. Die Fischerei, vor allem der Kleinstbetriebe liegt am Boden.

Unsere Musterfarm in Naga ist ebenso betroffen, da niemand außer Rhodelia Viajedor die Farm im strikten Lockdown verlassen darf. Nur sie darf notwenige Wege außerhalb des Farmgeländes gehen und anstehende Besorgungen machen. Gloria Pocot gehört zur Risikogruppe und darf die Farm nicht verlassen. Sie übt sich weiter in Experimenten mit ökologischem Anbau und unterschiedlichen Pflanzen

Der Lockdown wird streng kontrolliert. Es gibt keine Zusammenkünfte, Gottesdienste Treffen in den Familien, was die Philippinos hart trifft, da sie auf Gemeinschaft und Familie ausgerichtet sind. Niemals ist eine Philippina oder ein Philippino allein. Jetzt müssen manche Menschen das durchhalten.

Es gibt aber auch einen Geist der Hilfe und Solidarität. Wo es möglich ist werden ausgegrenzte Menschen unterstützt. Gerade kirchliche Organisationen kümmern sich um Obdachlose Straßenkinder. Es gibt auch psychologische Hilfe, wo es geht. Rhodelia z.B. besucht Frauen im Gefängnis und stellt Kontakte her der Frauen zu ihren Familien. Die Frauen leiden besonders darunter, sich jetzt nicht um ihre Kinder kümmern. Auch sie sind manchmal inhaftiert worden wegen Verst0ßes gegen die Corona Beschränkungen.

Auf der Farm wurde mit der Anbaumethode der Hugelkultur gearbeitet. Diese Technologie verwendet zersetzende Hölzer und andere biologisch abbaubare Materialien, um die Qualität des Bodens zu erhöhen, um gesunde Bio-Kulturen anzubauen.  Dies ist eine alte Form der Kompostierung mit nachhaltiger Landwirtschaft mit der Natur. Obwohl, es ist mühsam, aber es ist sehr lohnend in den Anbau von Bio-Pflanzen für gesunde Ernährung, Pflege für das Leben und Mutter Natur.  Gloria begann diese Hugelkultur im April 2020, zu Beginn der Sperrung, da sie die ganze Zeit auf der Farm ist.

Soweit es ging, haben sich die Familienbande wieder enger geknüpft. Da Zusammentreffen in größerem Rahmen nicht möglich waren hat man kleine Gruppen in den Familien gepflegt, soweit es überhaupt ging.

Der Bericht endet mit folgendem Gedanken: „Auf der Farm beten wir jede Nacht als Familie. In den dunkelsten Momenten der Pandemie kommen wir zu GOTT als unsere Festung und Errettung!“

 Gloria und Mandy (Rhodelia Viajedor)

Freitag, 29. September 2020

 

Anbau der Hugelkultur

Ernte verschiedenfarbiger Maiskörner

Verteilung von Saatgut auf Cebu mithilfe von Gloria Pocot

Corona und die Auswirkungen in Arica – Chile

In Chile haben die Corona-Epidemie und die staatlichen Maßnahmen enorme Auswirkungen auf das Leben großer Bevölkerungsgruppen. Auch in Arica und rund um unsere Partner-Gemeinde Cristo Salvador sind viele Menschen davon betroffen. Auszüge aus den Berichten, die Juan Carlos, Leiter der Gruppe Familia Misionera,  uns geschickt hat, geben einen deutlichen Eindruck. Sie stammen aus dem Zeitraum von März bis September.

Im gesamten Land steigt die Zahl der Infizierten und Verstorbenen täglich. Quarantäne und Ausgangsperre zwingen viele Firmen, ihre Türen zu schließen und ihre Angestellten zu entlassen, was zu einem beträchtlichen Anwachsen der Arbeitslosigkeit führt. Der Einkommensverlust nimmt vielen Familien die Möglichkeit, Lebensmittel, Medikamente oder Schutzkleidung zu kaufen. Viele Personen haben nichts mehr zu essen.

 In dieser Situation wachsen Gewalt und Kriminalität. Viele Leute kaufen in einer exzessiven Art, um es danach zu erhöhten Preisen weiter zu verkaufen. Die Supermärkte werden jetzt vom Militär bewacht, um die Sicherheit zu gewährleisten.

 Die Krankenhäuser kollabieren, es fehlen Instrumente, Betten, Arbeitsmaterial und Schutzkleidung für das Personal.

 Auch gibt es viele Immigranten aus Peru und Bolivien, die in ihren Unterkünften zusammengepfercht leben. Uns besorgt die Tatsache, dass viele von ihnen sich außerhalb ihres jeweiligen Konsulats niedergelassen haben in der Hoffnung, in ihr Heimatland zurückgeschickt zu werden, eine Situation, für die sich auch noch keine Lösung zeigt und die ein hohes Infektionsrisiko für diese Menschen mit sich bringt.

 Die Regierung hat Hilfsmittel bereitgestellt für die Ärmsten in unserem Land. Es gibt jedoch einen großen Anteil der Mittelklasse, der keinerlei Hilfe erhält.

 Unsere Kirchen bleiben auf staatliche Anordnung geschlossen. Es finden keinerlei religiöse Zeremonien mit Anwesenheit von Personen statt. Aus diesem Grund haben wir die Vorbereitungen zur Lebensmittel-Hilfslieferung in unser Haus verlegt, auch deshalb, weil unsere Stadt unter Quarantäne steht und wir nicht durch die Stadt laufen dürfen. Meine Tochter und ich haben aber wegen unserer Arbeitsstellen eine Sondergenehmigung, so dass wir die Lebensmittelhilfe zu den stark betroffenen Familien bringen können. Um das Haus zu verlassen, muss man eine Erlaubnis bei der Polizei einholen und das erlauben sie nur zweimal pro Woche und für maximal drei Stunden.

 Hier geht es nun in den Winter, was das Ansteckungsrisiko weiter erhöht, besonders für die Personen, die auf der Straße leben, weswegen einige Unterkünfte speziell für Obdachlose geöffnet wurden.

 Wir unterstützen nun kleine lokale Gruppen, die sich in unserer Kommune gebildet haben mit dem Ziel, ihre eigenen Familien, aber auch andere, mit Lebensmitteln zu versorgen.

Zusätzlich unterstützen wir weiterhin die Gemeinschaftsküchen, die sich wegen der großen Not, bedingt durch die wachsende Arbeitslosigkeit, organisiert haben.

 Wir hoffen auf Gott, dass wir dies allmählich überwinden werden, zum Wohl aller.

 Erhaltet von uns eine herzliche Umarmung, unsere Dankbarkeit und unsere Gebete.

 Mit besonderer Zuneigung

 Maria Elena, Juan Carlos und Familia Misionera

Spendenkonto Eine-Welt-Gruppe

IBAN: DE15 3505 0000 0275 0004 12
BIC: DUISDE33XXX

Eine Welt Gruppe

Seit den 70er Jahren hält die Eine-Welt-Gruppe Kontakt zu den Partner-Projekten in Chile und auf den Philippinen. Neben der finanziellen Unterstützung ist der regelmäßige Austausch von Informationen und Meinungen ein wichtiger Schwerpunkt. Erfreulich ist, dass in den vergangenen Jahren mehrere gegenseitige Besuche finanziert und organisiert werden konnten. So entstand aus einer projektbezogenen Partnerschaften eine  Freundschaft zu Menschen in Südamerika und Südostasien.

Unsere Freunde in Chile sind die Familia Misionera der Gemeinde Cristo Salvador in Arica. In der nördlichsten Stadt Chiles hat es sich diese Gruppe engagierter Christen zur Aufgabe gemacht, die Situation der vielfach notleidenden Bevölkerung zu verbessern. Dies tun sie durch mehrere Hilfsangebote wie Kinderförderung, Obdachlosenhilfe und Betreuung notleidender Familien. Unsere direkten Ansprechpartner dort sind Maria Elena Díaz und Juan Carlos Bazay Gazzo, ein Ehepaar, das fast sämtliche Aktionen koordiniert und initiiert.

 

 


Unsere Freunde auf den Philippinen sind die Farmer rund um die Cebu Southern Ecological Farm, geleitet von Gloria Pocot. Hierbei handelt es sich um eine Demonstrations- und Schulungsfarm in dem Ort Naga auf der Insel Cebu, die ökologische Landwirtschaft betreibt. In vielfältigen Schulungs- und Förderprogrammen werden Kenntnisse über ökologischen Landbau, medizinische Versorgung, Hygiene und Vermarktungsmöglichkeiten vermittelt. Zur Zeit befindet sich eine kleine Fruchtsaft-Fabrikation im Aufbau, in der mehrere Arbeitsplätze geschaffen werden und die den Farmern durch den Verkauf ihrer Früchte ein zusätzliches Einkommen ermöglicht. Unsere direkten Ansprechpartner dort sind Gloria Pocot und Rodelia Viajedor, die auch die Kurse anbieten und durchführen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Fair gehandelte Waren erhalten Sie in den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Walsum nach den Gottesdiensten in einigen Kirchen und Pfarrhäusern. Informieren Sie sich in den Gemeinden, wann und wo Sie fair gehandelte Produkte kaufen können.

Ansprechpartnerin: Marlies Schöpper, Telefon: 0203-478432

Ghanakreis 

Bereits im Jahr 1987 entwickelte sich aus dem Arbeitskreis Mission, Entwicklung, Frieden des damaligen Pfarrgemeinderats St. Ludgerus der Ghanakreis. Initiiert durch Bischof Gregory Kpiebaya aus der Diözese Wa in Ghana wurde der Aldenrader Gemeinde die Pfarrei St. Joseph in Jirapa als Partnergemeinde vorgeschlagen. Seit dieser Zeit haben inzwischen zahlreiche Besuche und Gemeindebegegnungen von und nach Ghana stattgefunden. Mit der Zeit wurden aus Gästen Freunde. Vielfältige Aktionen und Initiativen in Walsum ermöglichen es bis heute, Menschen in Ghana zu unterstützen und gegenseitig voneinander zu lernen.

So läuft derzeit eine Solarlicht-Aktion, durch die bisherige Petroleum-Leuchten der 14 Außenstationen der Partnergemeinde in Ghana durch Solarlampen ersetzt werden sollen. Mittelfristig ist dies für die Partnergemeinde deutlich preisgünstiger, umweltfreundlicher und sicherer.

Ansprechpartner: Rudolf Niessing, Telefon: 0203-480365

 

Spendenkonto des Ghanakreises

IBAN: DE 4135 0603 8664 2605 0125
BIC: GENODED1VRR